Ich bin Ironblogger …

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Als Moritz Hoffmann, der wie ich Mitglied des Vereins Open History e.V. ist, zum „Ironblogging“ aufrief, brauchte es nicht viel, um mich vom Mitmachen zu überzeugen. Mindestens einmal im Monat einen Blogartikel zu einem historischen Thema schreiben und dabei auch noch vernetzt mit anderen zu agieren – eine wunderbare Idee. Ich freue mich auf ein Jahr mit ein bisschen sanftem „Schreibdruck“, der mich hoffentlich dazu inspiriert, den Blog mit ein bisschen mehr Leben zu füllen. Immerhin gilt beim Ironblogging der Grundsatz: „Wer nicht schreibt, der zahlt“, das allerdings in vertretbarem Rahmen und für einen guten Zweck.

 

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Von #Histodingsen und Feierabendziegeln

Manchmal sind es gerade Kleinigkeiten, die überraschend mit Erkenntnisgewinn verbunden sind. Und manchmal sind es besonders hübsche Kleinigkeiten, die den Historikerinnen-Alltag versüßen. Dieses Mal war es die Aufforderung des Histocamp-Teams (wer noch nicht weiß, dass ein #Histocamp die großartigste Möglichkeit ist, eine historische Tagung in Form einer „Nicht-Konferenz“ – eben eines sehr lebendigen und dennoch inhaltlich gehaltvollen Bar-Camps für Historiker/innen zu zelebrieren, kann sich unter https://www.histocamp.de/ mit allen nötigen Informationen versorgen) für die Vorstellungsrunde nach einem „histodings“ zu suchen. Ein bisschen überlegen musste ich schon, aber dann habe ich mich für einen unserer beiden „Trottenziegel“ entschieden.

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Einer von zwei handgetöpferten, mit Karikaturen versehenen Dachziegeln aus dem Jahr 1791/1792

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Alles Luther oder was?

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Jede Epoche bekommt das Reformationsfest, das sie verdient. Das lässt sich auch anhand des Reformationsjahres 2017 sehr deutlich zeigen: Ein Event jagt das nächstes und der Spektakularitätsfaktor muss am besten jedes Mal eine Steigerung erfahren. Vom Pilgern mit Traktoren und dem Luther-Pilgerweg bei uns in der Region über eine Flut an Büchern und Vorträgen, von Luther-Mahlzeiten, Theaterstücken und Musicals, von Bonbons, Backmischungen über Spielzeugfiguren und Socken bis hin zur Weltausstellung: Der Phantasie sind offensichtlich keine Grenzen gesetzt und je markttauglicher, desto besser. Und dazu der allgemeine Tenor, der sich in vielen Reden dieses Jahres widerspiegelt: Luther als Vorkämpfer der Moderne, der Zivilgesellschaft und der Menschenrechte.

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Ein reiches Leben – Clarita von Trott zu Solz zum 100. Geburtstag

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Clarita und Adam von Trott zu Solz in ihrer Verlobungszeit in Imshausen (Mai 1944), Bild: Wikipedia.org (Urheber: Familie von Trott)

 

„Sie versteht, was mir im Leben am wichtigsten ist und wird mir helfen, dafür zu kämpfen.“ (Clarita von Trott zu Solz: Adam von Trott zu Solz. Eine Lebensbeschreibung, Lukas Verlag, Berlin 2009, S. 236)

Diesen Satz schrieb Adam von Trott zu Solz 1940 nach seiner Verlobung mit Clarita Tiefenbacher an seine Mutter. Dieser Satz hat das Leben Clarita von Trotts, deren Geburtstag sich am 19. September zum 100. Mal jährt, auch nach dem Tod ihres Mannes tief geprägt. Sie wusste von Anfang an, dass ihr Mann, der Diplomat im Auswärtigen Amt tätig war, enge Verbindung zu Regimegegnern hatte und sie war sich der Gefahren, die mit seinen Aktivitäten einhergingen immer bewusst. Adam von Trott zu Solz gehörte zum „Kreisauer Kreis“, der ab Ende der 1930er Jahre Neuordnungspläne für ein Deutschland nach dem Ende des Nationalsozialismus und für eine neue europäische Friedensordnung entwickelte, wurde nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944, an dessen Planung er beteiligt war, in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

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Erinnerung braucht Pflege

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Die Spuren wieder lesbar machen …

In vielen Städten sind sie zu finden: Stolpersteine, die an Menschen erinnern sollen, die in unserer Nachbarschaft gelebt haben und die in der NS-Zeit aus unseren Städten und Dörfern heraus deportiert und ermordet wurden. Initiiert wurde die Verlegung von Stolpersteinen durch den Künstler Gunter Demnig, der mithilfe der in das Straßenpflaster eingelassenen Messingplatten verhindern möchte, dass nach den Menschen auch die Erinnerung endgültig aus unseren Köpfen verschwindet.

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Geschichte ist Luxus – der möglichst nichts kosten darf …

Gestern habe ich das frisch eröffnete Museum am Grenzdurchgangslager Friedland (www.museum-friedland.de) besucht. Eine eindrucksvolle Ausstellung, die den historischen Ort Friedland dokumentiert, der seit 1945 wie kein anderer für Migration und Übergang steht. Mit dem Bahnhofsgebäude wurde für die Ausstellung ein Ort gefunden, der nicht nur verkehrstechnisch hervorragend angebunden ist, sondern auch an sich schon Symbol des Transits, des Übergangs ist. Mehr als 4 Millionen Menschen sind seit 1945 über das Grenzdurchgangslager Friedland in die Bundesrepublik Deutschland gekommen: Flüchtlinge und Vertriebene, Kriegsgefangene und Spätheimkehrer, Spätaussiedler, DDR-Flüchtlinge, Flüchtlinge aus Chile, Boat-People aus Vietnam, jüdische Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion und viele mehr. Heute sind es vor allem Asylsuchende aus Syrien, Afghanistan, Eritrea und vielen anderen Ländern, für die Friedland eine der ersten Stationen in Deutschland ist.

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Von der Schwierigkeit, sich zu er-innern

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Gedenktafel für die Gefallenen des 2. Weltkrieges und für den Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz in der Dorfkirche von Bebra-Imshausen

Er-innern. Sich Dinge ver-innerlichen, die in der Vergangenheit liegen, Er-innerung als die Wurzel dessen begreifen, was unsere Gegenwart und vor allem unsere Zukunft ausmachen. Das ist eines der großen Themen, die mich seit langem bewegen, ich kann das wohl mit einer gewissen Berechtigung als eines meiner Lebensthemen bezeichnen. Nicht nur, weil ich Geschichte studiert habe und trotz vieler Gegenbeweise immer noch einen kleinen Rest Hoffnung habe, dass wir als Menschen lernfähig sein könnten, und nicht alle historischen Fehler zwangsläufig wiederholen müssen.

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